Probiotika

Bacillus subtilis, Enterococcus faecium und Lactobacillus im Vergleich

5 Minuten LesezeitZuletzt aktualisiert im Oktober 2026

Der Vergleich zeigt, welche der 3 gebräuchlichen Kulturen für Hunde den Magen übersteht und welche gekühlt werden muss.

Illustration: Drei Bakteriengruppen passieren den Magen – Bacillus in Sporenkapseln, Enterokokken in Regenmänteln, Lactobacillus ohne Schutz
Inhalt

    Zusammenfassung

    • Drei Gruppen dominieren den Markt: sporenbildende Bacillus-Stämme, Enterokokken und Milchsäurebakterien der früheren Gattung Lactobacillus.
    • Der praktische Unterschied liegt vor allem darin, wie viele Zellen den Magen überstehen und ob die Kultur gekühlt werden muss.
    • Alle drei Gruppen wurden in den vergangenen Jahren umbenannt. Verlässlich ist deshalb nur die Stammnummer, nicht der Artname.
    • Keine der drei Gruppen besiedelt den Hundedarm dauerhaft.

    Warum die Wahl des Stamms wichtig ist

    „Enthält Probiotika“ steht auf vielen Verpackungen und sagt für sich genommen wenig. Die Eigenschaften eines Probiotikums sind stammspezifisch: Was für einen Stamm gezeigt wurde, gilt nicht automatisch für einen anderen derselben Art – und erst recht nicht für eine andere Gattung.

    Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag zu Präbiotika und Probiotika beim Hund. Hier geht es um den Vergleich der drei Gruppen, die beim Hund in der Praxis eingesetzt werden.

    Bacillus subtilis: der Sporenbildner

    Bacillus-Stämme bilden unter ungünstigen Bedingungen eine Endospore aus – eine Dauerform, die den Stoffwechsel einstellt und das Erbgut hinter mehreren Schutzschichten verwahrt. Sie übersteht Hitze, Trockenheit und einen sauren pH-Wert und keimt im Darm wieder aus.

    Daraus ergeben sich zwei praktische Eigenschaften. Erstens passiert der Stamm den Magen ohne technischen Schutz – beim Hund liegt der pH-Wert im nüchternen Zustand üblicherweise zwischen 1 und 2. Zweitens kommt die Spore ohne Kühlung aus und verträgt die Einarbeitung in Trockenfutter.

    Der verbreitete Stamm DSM 15544 ist in der EU als zootechnischer Zusatzstoff unter der Kennnummer 4b1820 geführt, in der Funktionsgruppe der Darmflorastabilisatoren. Ausführlich behandelt das der Beitrag zu Bacillus subtilis beim Hund.

    Nicht zu verwechseln ist dieser Stamm mit Bacillus subtilis DSM 21097, der unter dem Namen MM40 in Präparaten für Menschen vorkommt. Beide gehören zur selben Art, sind aber verschiedene Stämme: Was in Humanstudien zu DSM 21097 gemessen wurde, lässt sich nicht auf DSM 15544 übertragen, und umgekehrt. Beim Vergleich zweier Produkte zählt deshalb die Stammnummer auf dem Etikett, nicht der Artname.

    BSN führt den Stamm als Bacillus subtilis Tropfen für Hunde, in 30 ml und als 100-ml-Vorteilsgröße.

    Typischer Einsatz: in Trockenfutter und in täglichen Ergänzungsfuttermitteln, die ohne Kühlung auskommen.

    Enterococcus faecium: der Klassiker im Hundefutter

    Enterokokken kommen natürlicherweise im Darm von Hunden vor. Der Stamm NCIMB 10415, auch als SF68 oder DSM 10663 geführt, ist der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Vertreter und in vielen Diätfuttermitteln enthalten.

    Enterokokken sind säuretoleranter als Milchsäurebakterien im engeren Sinne, bilden aber keine Sporen. Ihre Haltbarkeit richtet sich nach der Verarbeitung.

    Typischer Einsatz: als Bestandteil von Diätfuttermitteln, häufig in Kombination mit anderen Komponenten.

    Lactobacillus: die große, neu geordnete Gruppe

    Milchsäurebakterien sind die bekanntesten Probiotika, vertraut aus Joghurt und fermentierten Lebensmitteln. Beim Hund werden sie ebenfalls eingesetzt, meist in Mischungen mehrerer Stämme.

    Kennzeichnend ist ihre Empfindlichkeit. Sie besitzen keine Dauerform; ohne Schutz übersteht nur ein Teil von ihnen die Magensäure und eine längere Lagerung. Hersteller arbeiten deshalb mit Verkapselung, magensaftresistenten Überzügen oder sehr hohen Ausgangskeimzahlen, bei denen rechnerisch ein Anteil den Darm erreicht.

    Hinzu kommt eine Besonderheit, die das Lesen von Etiketten erschwert: Die Gattung Lactobacillus umfasste 2020 noch 261 Arten und war damit ausgesprochen heterogen. Eine Arbeitsgruppe um Jinshui Zheng schlug im selben Jahr vor, sie auf 25 Gattungen aufzuteilen. Seither heißen viele vertraute Arten anders – aus Lactobacillus casei wurde Lacticaseibacillus casei, aus Lactobacillus plantarum wurde Lactiplantibacillus plantarum.

    Typischer Einsatz: in Mehrstamm-Präparaten, häufig gekühlt oder in Kapselform.

    Der Vergleich auf einen Blick

    Bacillus subtilis Enterococcus faecium Lactobacillus-Gruppe
    Dauerform ja, Endospore nein nein
    Magenpassage ohne Schutz möglich säuretolerant Schutz nötig
    Kühlung nicht nötig je nach Produkt oft nötig
    In Trockenfutter verarbeitbar ja eingeschränkt kaum
    Dauerhafte Besiedelung nein nein nein

    Die letzte Zeile gilt für alle drei und wird leicht übersehen: Die eingesetzten Stämme passieren den Darm, unterstützen währenddessen die Darmflora und werden ausgeschieden. Endet die Gabe, endet nach einiger Zeit auch der Einfluss.

    Alle drei heißen heute anders

    Wer Etiketten über mehrere Jahre vergleicht, stößt bei allen drei Gruppen auf wechselnde Namen, ohne dass sich die Bakterien selbst geändert haben.

    • Bacillus subtilis C-3102 wurde Bacillus velezensis DSM 15544. Die EU passte die Bezeichnung mit der Durchführungsverordnung (EU) 2022/703 an.
    • Enterococcus faecium NCIMB 10415 wird heute als Enterococcus lactis NCIMB 10415 geführt.
    • Die Gattung Lactobacillus wurde 2020 in 25 Gattungen aufgeteilt.

    Daraus folgt: Der Artname ist die unzuverlässige Angabe, die Stammnummer die verlässliche. Eine Kennung wie DSM 15544 oder NCIMB 10415 bleibt konstant, auch wenn die Systematik sich verschiebt. Die Hintergründe der Bacillus-Umbenennung stehen unter Bacillus velezensis oder subtilis.

    Was das für die Produktauswahl bedeutet

    Für den Alltag ist vor allem die Handhabung entscheidend: Ein Produkt, das nicht gekühlt werden muss, lässt sich leichter in die tägliche Fütterung einbinden. Worauf auf dem Etikett zu achten ist, beschreibt der Beitrag zu Qualitätsmerkmalen bei Hundeprodukten.

    Was keine der drei Gruppen leistet

    Keine besiedelt den Darm dauerhaft. Ebenso wenig ist eine Kombination automatisch besser als ein einzelner Stamm.

    Werden Kulturen und Substrat gemeinsam gegeben, spricht man von einem Synbiotikum. Die Abgrenzung dazu steht unter Präbiotika und Probiotika beim Hund.

    Häufige Fragen

    Welcher Probiotika-Stamm ist der beste für Hunde?

    Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten, weil die Eigenschaften stammspezifisch sind. Sporenbildner sind im Alltag leichter zu handhaben, weil sie den Magen ohne Schutz überstehen und ungekühlt lagerfähig sind.

    Warum heißt Lactobacillus jetzt anders?

    Die Gattung umfasste 261 sehr unterschiedliche Arten und wurde 2020 auf Grundlage vollständiger Genomsequenzen in 25 Gattungen aufgeteilt. Die Bakterien selbst haben sich dadurch nicht verändert.

    Sind Probiotika aus Joghurt für Hunde geeignet?

    Nur bedingt. Die enthaltenen Kulturen sind nicht auf den Hund abgestimmt, und die Menge schwankt.

    Woran erkenne ich, welcher Stamm in einem Produkt enthalten ist?

    An der Zusatzstoffangabe auf dem Etikett. Dort stehen Bezeichnung, Stammnummer und EU-Kennnummer. Fehlt die Nummer, lässt sich der Stamm nicht bestimmen.

    Dieser Beitrag ist allgemein gehalten und bezieht sich nicht auf einen einzelnen Hund.

    Vergleich

    Woran sich Probiotika
    für Hunde vergleichen lassen

    Zum Vergleich
    • DSM 15544Bakterienstamm Bacillus velezensis
    • 4 bis 25 °CLagerung ohne Kühlschrank, weil der Stamm als Spore vorliegt
    • 0,5 bis 2,0 mltäglich, je nach Gewicht