Probiotika

Bacillus subtilis beim Hund: Eigenschaften

4 Minuten LesezeitZuletzt aktualisiert im Oktober 2026

Was Bacillus subtilis ist, warum die Sporenform den Magen übersteht und warum derselbe Stamm heute Bacillus velezensis heißt.

Mikroskopische Darstellung stäbchenförmiger Bacillus-subtilis-Bakterien in Blau und Grün
Inhalt

    Zusammenfassung

    • Bacillus subtilis ist ein sporenbildendes Bakterium, das natürlicherweise im Boden und im Verdauungstrakt vieler Tiere vorkommt.
    • Seine Dauerform, die Endospore, übersteht Magensäure, Hitze und Trockenheit. Darin liegt der praktische Unterschied zu Milchsäurebakterien.
    • Der in Ergänzungsfuttermitteln verbreitete Stamm DSM 15544 ist in der EU als zootechnischer Zusatzstoff unter der Kennnummer 4b1820 geführt.
    • Derselbe Stamm wurde taxonomisch neu eingeordnet und heißt heute offiziell Bacillus velezensis. Es handelt sich um dasselbe Bakterium unter neuem Namen.

    Was Bacillus subtilis ist

    Bacillus subtilis gehört zu den am gründlichsten untersuchten Bakterien. Es lebt im Boden, auf Pflanzen und im Verdauungstrakt vieler Tiere, und sein Erbgut ist seit den späten 1990er-Jahren vollständig entschlüsselt. In der Grundlagenforschung dient es bis heute als Modellorganismus für die Frage, mit welcher Mindestausstattung eine Zelle auskommt.

    Für die Fütterung ist eine einzelne Eigenschaft ausschlaggebend: Unter ungünstigen Bedingungen wandelt sich die Zelle in eine Endospore um. Diese Dauerform stellt den Stoffwechsel ein und umgibt das Erbgut mit mehreren Schutzschichten. Sie übersteht Trockenheit, Hitze und einen sauren pH-Wert und keimt wieder aus, sobald die Umgebung es zulässt.

    Wie das Bakterium 1835 entdeckt wurde und warum seine Sporen eine wissenschaftliche Streitfrage entschieden haben, beschreibt der Beitrag zur Herkunft von Bacillus subtilis.

    Warum derselbe Stamm heute Bacillus velezensis heißt

    Wer Etiketten vergleicht, stößt auf beide Namen. Der Grund ist keine Produktänderung, sondern eine Korrektur in der Systematik: Mit genaueren genetischen Verfahren stellte sich heraus, dass mehrere lange als Bacillus subtilis geführte Stämme einer eigenen Art angehören. Sie wurden Bacillus velezensis zugeordnet.

    Der Stamm DSM 15544 ist davon betroffen. Die EU hat die amtliche Artbezeichnung entsprechend angepasst. Das Bakterium selbst, seine Eigenschaften und die vorliegenden Untersuchungen bleiben dieselben. Die Hintergründe der Umbenennung haben wir unter Bacillus velezensis oder subtilis ausführlicher beschrieben.

    Die Spore: warum der Stamm den Magen übersteht

    Ein Probiotikum besteht aus lebenden Kulturen, die den Darm erreichen sollen. Der Weg dorthin führt durch den Magen, der beim Hund im nüchternen Zustand ausgesprochen sauer ist. Die Angaben liegen üblicherweise bei einem pH-Wert zwischen 1 und 2.

    Milchsäurebakterien, also die Gattungen Lactobacillus und Bifidobacterium, bringen gegen diese Bedingungen keinen eigenen Schutz mit. Ein Teil der zugeführten Zellen übersteht die Passage nicht. Hersteller arbeiten deshalb mit Verkapselung, magensaftresistenten Überzügen oder sehr hohen Ausgangskeimzahlen.

    Ein Sporenbildner ist auf diese Maßnahmen nicht angewiesen. Die Spore ist von Natur aus säurestabil; sie passiert den Magen und keimt erst im Darm aus. Dieselbe Widerstandsfähigkeit erleichtert die Handhabung: Sporen kommen ohne Kühlung aus und vertragen die Einarbeitung in Trockenfutter.

    Was das für die Lagerung bedeutet

    Ein Probiotikum mit Milchsäurebakterien muss in der Regel gekühlt oder aufwendig geschützt werden. Ein Probiotikum mit Sporenbildnern lässt sich bei Zimmertemperatur lagern. Das ist kein Qualitätsurteil über die eine oder andere Gruppe, sondern ein Unterschied in der Handhabung.

    Kennnummer und Funktionsgruppe

    Der Stamm DSM 15544, ursprünglich als Bacillus subtilis C-3102 geführt und heute als Bacillus velezensis DSM 15544, trägt die Kennnummer 4b1820. Er ist der Funktionsgruppe der Darmflorastabilisatoren zugeordnet.

    BSN führt den Stamm als Bacillus subtilis Tropfen für Hunde, in 30 ml und als 100-ml-Vorteilsgröße.

    Woran sich ein Produkt mit diesem Stamm erkennen lässt

    Die Eigenschaften eines Probiotikums sind stammspezifisch, nicht artspezifisch. Zwei Stämme derselben Art können sich deutlich unterscheiden. Auf dem Etikett zählt daher weniger der Artname als die Stammnummer.

    Welche Angaben Aufschluss über die Qualität eines Produkts geben, behandelt der Beitrag zu Qualitätsmerkmalen bei Hundeprodukten. Die Abgrenzung zu Präbiotika, die keine lebenden Kulturen enthalten, steht unter Präbiotika und Probiotika beim Hund.

    Was Bacillus subtilis nicht leistet

    Ein Sporenbildner besiedelt den Hundedarm nicht dauerhaft. Er passiert ihn, unterstützt während dieser Zeit die Darmflora und wird wieder ausgeschieden. Wird die Gabe beendet, geht dieser Einfluss nach einiger Zeit wieder verloren. Das ist kein Mangel des Stamms, sondern die Funktionsweise transienter Probiotika. Ebenso wenig ersetzt er eine passende Ration.

    Entscheidend ist deshalb die regelmäßige, tägliche Gabe.

    Häufige Fragen

    Was ist der Unterschied zu Milchsäurebakterien?

    Bacillus subtilis bildet Sporen und übersteht die Magenpassage ohne zusätzlichen Schutz. Milchsäurebakterien haben diese Dauerform nicht und müssen technisch geschützt oder in hoher Zahl zugeführt werden.

    Kann man Bacillus subtilis dauerhaft füttern?

    Da der Stamm den Darm nicht dauerhaft besiedelt, ist eine tägliche Gabe ohne zeitliche Begrenzung grundsätzlich möglich.

    Bacillus subtilis oder Bacillus velezensis: Was ist korrekt?

    Beide Bezeichnungen sind gebräuchlich. Der Stamm DSM 15544 wurde taxonomisch neu zugeordnet und heißt heute offiziell Bacillus velezensis. Ältere Bezeichnungen auf Verpackungen und in Studien beziehen sich auf dasselbe Bakterium.

    Dieser Beitrag ist allgemein gehalten und bezieht sich nicht auf einen einzelnen Hund.

    Vergleich

    Woran sich Probiotika
    für Hunde vergleichen lassen

    Zum Vergleich
    • DSM 15544Bakterienstamm Bacillus velezensis
    • 4 bis 25 °CLagerung ohne Kühlschrank, weil der Stamm als Spore vorliegt
    • 0,5 bis 2,0 mltäglich, je nach Gewicht