Zusammenfassung
- Bacillus velezensis und Bacillus subtilis sind zwei Artnamen. Bei vielen probiotischen Stämmen bezeichnen sie dasselbe Bakterium zu unterschiedlichen Zeitpunkten.
- Genauere genetische Verfahren haben gezeigt, dass mehrere lange als B. subtilis geführte Stämme einer eigenen Art angehören.
- Der Stamm C-3102 / DSM 15544 ist davon betroffen. Die EU hat die Artbezeichnung in der Zulassung entsprechend geändert.
- Das Bakterium selbst, seine Eigenschaften und die vorliegenden Untersuchungen bleiben davon unberührt.
- Auf Verpackungen und in älteren Studien stehen deshalb beide Namen nebeneinander.
Warum auf Etiketten zwei Namen stehen
Wer probiotische Ergänzungsfuttermittel vergleicht, findet dieselbe Stammnummer einmal unter Bacillus subtilis und einmal unter Bacillus velezensis. Das wirkt wie ein Fehler, ist aber keiner.
Der Grund liegt in der biologischen Systematik. Welcher Art ein Bakterium zugeordnet wird, hängt davon ab, wie genau man hinsehen kann. Mit besseren Verfahren verschieben sich Zuordnungen – und mit ihnen die Namen.
Was sich geändert hat
Bakterienarten wurden lange über Merkmale bestimmt, die sich im Labor beobachten lassen: Form, Färbeverhalten, Stoffwechselleistungen, Wachstumsbedingungen. Nach diesen Kriterien fielen viele eng verwandte Bodenbakterien unter Bacillus subtilis.
Mit der Genomsequenzierung wurde der Vergleich präziser. Es zeigte sich, dass die als B. subtilis geführte Gruppe genetisch heterogener ist als angenommen. Ein Teil der Stämme wurde als eigene Art abgetrennt und Bacillus velezensis zugeordnet.
Solche Umbenennungen sind in der Mikrobiologie Routine. Ungewöhnlich ist hier nur, dass sie ein Bakterium betrifft, das in Produkten steht und dessen Name deshalb öffentlich sichtbar ist.
Der konkrete Fall: C-3102 und DSM 15544
Der Stamm, der in vielen Ergänzungsfuttermitteln eingesetzt wird, trägt die Hinterlegungsnummer DSM 15544 und wurde ursprünglich als Bacillus subtilis C-3102 geführt.
Für die EU-Zulassung als Futtermittelzusatzstoff ist die Artbezeichnung Teil der amtlichen Beschreibung. Als sich die Zuordnung änderte, musste die Zulassung nachgezogen werden. Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2022/703 wurde die Bezeichnung von Bacillus subtilis C-3102 auf Bacillus velezensis DSM 15544 geändert. Die Kennnummer des Zusatzstoffs, 4b1820, blieb dabei unverändert.
Die Zulassung erstreckt sich neben mehreren Nutztierarten ausdrücklich auf Hunde. Was das praktisch bedeutet, steht im Beitrag zu Bacillus subtilis beim Hund.
Was sich dadurch nicht geändert hat
Eine taxonomische Umbenennung ändert nichts am Organismus. Dasselbe Bakterium, dieselbe Sporenbildung, dieselben Untersuchungen. Studien, die vor der Umbenennung unter Bacillus subtilis C-3102 veröffentlicht wurden, beziehen sich auf denselben Stamm wie neuere Arbeiten zu Bacillus velezensis DSM 15544.
Wer Literatur zu einem Stamm sucht, sollte deshalb beide Bezeichnungen verwenden. Eine Suche nur unter dem neuen Namen übersieht den größeren Teil der älteren Arbeiten.
Warum die Stammnummer wichtiger ist als der Artname
Die Umbenennung führt vor Augen, was bei Probiotika ohnehin gilt: Der Artname ist die unschärfere Angabe. Eigenschaften wie Säurestabilität, Haftvermögen und Stoffwechselleistung sind Merkmale eines Stammes, nicht einer ganzen Art.
Zwei Stämme derselben Art können sich erheblich unterscheiden. Umgekehrt bleibt ein Stamm derselbe, auch wenn sein Artname wechselt. Belastbar ist deshalb allein die Hinterlegungsnummer – DSM, ATCC, NCIMB oder eine vergleichbare Kennung.
Auf einem Etikett ist eine Angabe wie Bacillus velezensis DSM 15544 (4b1820) nachprüfbar. „Enthält Bacillus subtilis" ist es nicht. Worauf sich beim Etikettenlesen sonst noch achten lässt, steht unter Qualitätsmerkmalen bei Hundeprodukten.
Was Sporenbildner ausmacht
Beide Namen bezeichnen ein sporenbildendes Bakterium. Unter ungünstigen Bedingungen bildet die Zelle eine Endospore aus: eine Dauerform mit mehrschichtiger Hülle, die den Stoffwechsel einstellt und Hitze, Trockenheit und einen sauren pH-Wert übersteht. Im Darm keimt sie wieder aus.
Für Ergänzungsfuttermittel ist das der praktische Unterschied zu Milchsäurebakterien: Die Keimzahl bricht über die Lagerdauer nicht zusammen, und das Pulver verträgt die Verarbeitung in trockene Futtermittel. Die Abgrenzung zwischen lebenden und inaktivierten Kulturen behandelt der Beitrag zu Präbiotika und Probiotika beim Hund.
Kommen weitere Umbenennungen?
Wahrscheinlich. Die Bakteriensystematik wird laufend überarbeitet, und die Bacillus subtilis-Verwandtschaftsgruppe ist ein Bereich, in dem sich in den vergangenen Jahren viel bewegt hat.
Für die Beurteilung eines Produkts ist das kein Problem, solange die Stammnummer angegeben ist. Sie bleibt konstant, auch wenn der Artname wechselt – und genau deshalb ist sie die Angabe, auf die es ankommt.
Häufige Fragen
Ist Bacillus velezensis dasselbe wie Bacillus subtilis?
Es sind zwei Arten. Beim Stamm DSM 15544 bezeichnen jedoch beide Namen dasselbe Bakterium: Er wurde ursprünglich als Bacillus subtilis C-3102 geführt und später Bacillus velezensis zugeordnet.
Ist einer der beiden besser?
Die Frage lässt sich auf Artebene nicht beantworten. Entscheidend sind die Eigenschaften des konkreten Stammes und die dafür vorliegenden Daten, nicht die Artbezeichnung.
Warum steht auf meiner Packung noch der alte Name?
Verpackungen und Etiketten werden nicht sofort umgestellt. Solange die Stammnummer angegeben ist, bezeichnet sie eindeutig dasselbe Bakterium.
Muss ich mein Produkt wechseln, wenn der Name sich ändert?
Nein. Eine taxonomische Umbenennung verändert weder Zusammensetzung noch Eigenschaften des Produkts.
Wo finde ich die Stammnummer?
Bei Ergänzungsfuttermitteln in der Zusatzstoffangabe auf dem Etikett, gemeinsam mit der EU-Kennnummer und der zugesetzten Menge. Fehlt sie dort, lässt sich der Stamm nicht bestimmen.













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