Darmgesundheit

Probiotika für Pferde: Wo der Unterschied zum Präbiotikum liegt

6 Minuten LesezeitZuletzt geprüft im September 2026

Probiotikum und Präbiotikum sind nicht dasselbe. Was der Pferdedarm leistet, welcher der beiden Wege wann passt und was in der EU für Pferde überhaupt zugelassen ist.

Pferd steht in einem offenen Stall neben Heuballen, dahinter die Weide im Abendlicht

Die beiden Begriffe klingen ähnlich und meinen Gegensätzliches. Ein Probiotikum führt lebende Mikroorganismen zu. Ein Präbiotikum führt Nahrung für die Mikroorganismen zu, die schon da sind. Das eine bringt Bewohner mit, das andere versorgt die Bewohner – und welcher Weg passt, hängt am Tier.

Was der Pferdedarm leistet

Das Pferd ist ein Dickdarmfermentierer. Der Dünndarm ist vergleichsweise kurz und verwertet vor allem Stärke, Zucker, Fett und einen Teil des Proteins. Die eigentliche Arbeit passiert danach: In Blinddarm und Grimmdarm schließen Milliarden von Mikroben die Rohfaser aus dem Heu auf und erzeugen daraus kurzkettige Fettsäuren – die wichtigste Energiequelle des Pferdes.

Dieses Ökosystem ist gewaltig und zugleich empfindlich. Es reagiert auf abrupte Futterwechsel, auf große Kraftfuttermengen, auf lange Fresspausen und auf Stress. Und es ist bereits vorhanden – ein gesundes Pferd hat kein Bakterienproblem, sondern gelegentlich ein Milieuproblem.

Wie ein Milieuproblem entsteht

Der häufigste Weg ist immer derselbe. Gelangt mehr Stärke in den Dickdarm, als der Dünndarm verwerten konnte – etwa nach einer großen Kraftfuttermahlzeit oder einem Weidegang auf jungem, zuckerreichem Gras –, vermehren sich die stärkeverwertenden Bakterien schnell. Sie produzieren dabei Milchsäure, der pH-Wert im Gärraum sinkt, und ein Teil der Rohfaserverwerter kommt mit dem saureren Milieu nicht zurecht.

Was daraus folgt, kennt jeder Stall: weicher Kot, Kotwasser, Blähungen, gelegentlich Kolik. Bemerkenswert ist der Zeitversatz. Weil der Darminhalt beim Pferd rund 2 Tage durch den Verdauungstrakt braucht, zeigt sich die Folge oft erst, wenn niemand mehr an die Ursache denkt.

Warum beim Pferd meist das Präbiotikum der Weg ist

Genau hier liegt der Unterschied zum Hund. Beim Hund ist die Darmflora weniger umfangreich, und nach einer Antibiotika-Therapie oder bei anhaltend empfindlicher Verdauung ist die gezielte Zufuhr eines geeigneten Stammes ein sinnvoller Weg. Beim Pferd ist die Population um ein Vielfaches größer – ein zugeführter Stamm ist dort ein Tropfen in einem sehr großen Fass.

Der wirksamere Hebel ist deshalb in aller Regel das Futter der vorhandenen Flora: Struktur aus dem Raufutter, gleichmäßige Fütterungszeiten und Präbiotika, die im Dickdarm ankommen.

Was in der EU für Pferde zugelassen ist

Lebende Mikroorganismen gelten im Futtermittelrecht als zootechnische Zusatzstoffe. Sie durchlaufen ein Zulassungsverfahren nach Verordnung (EG) Nr. 1831/2003, und die Zulassung gilt jeweils für bestimmte Tierarten. Der Umfang dieser Liste ist für Pferde deutlich schmaler als für andere Tierarten – und ein Stamm, der für Hunde oder Geflügel zugelassen ist, ist damit noch nicht für Pferde zugelassen.

Wer ein Produkt prüft, achtet deshalb auf zwei Angaben: die Kennnummer des Zusatzstoffs und die Tierart, für die er zugelassen ist. Steht dort nur „Probiotika“ ohne Stammnummer, lässt sich das Produkt nicht einordnen.

Wie man ein Etikett liest

Vier Fragen reichen, um ein Produkt einzuordnen, und alle vier lassen sich am Eimer beantworten:

  • Welcher Stamm? Gattung, Art und Stammbezeichnung, nicht nur „Milchsäurebakterien“.
  • Wie viel? Koloniebildende Einheiten je Gramm oder je Tagesdosis. Ohne Keimzahl ist die Angabe wertlos.
  • Für welche Tierart zugelassen? Steht in der Regel bei den Zusatzstoffen, zusammen mit der Kennnummer.
  • Wie lange haltbar? Lebende Kulturen verlieren über die Lagerzeit an Aktivität; ein Mindesthaltbarkeitsdatum ohne Lagerhinweis ist die halbe Auskunft.

Bierhefe als präbiotischer Weg

Die Zellwand von Saccharomyces cerevisiae besteht zu großen Teilen aus Beta-Glucanen und Mannanen. Das Pferd verdaut sie nicht selbst – sie erreichen den Dickdarm und werden dort von den ansässigen Mikroben verwertet. Genau das ist die Definition eines Präbiotikums.

Wichtig ist die Unterscheidung zur lebenden Hefe: In BSN® Horse+ ist die Futterbierhefe inaktiviert. Sie vermehrt sich nicht, sondern liefert Nährstoffe und Zellwandbestandteile. Eine der fünf Sorten enthält zusätzlich Kulturen von Bacillus subtilis; ob ein Produkt damit auch probiotisch wirkt, entscheidet sich an den vier Angaben aus dem vorigen Abschnitt und nicht am Namen des Stammes auf der Vorderseite.

Wann welcher Weg passt

Eine Faustregel, die im Stall trägt: Geht es um ein Milieu, das sich verschoben hat – nach einer Umstellung, im Wechsel zwischen Weide und Stall, bei wiederkehrendem Kotwasser –, ist das Präbiotikum der naheliegende Weg, und zwar über 4 bis 8 Wochen mit anschließender Pause. Geht es um eine Situation, in der die Flora tatsächlich dezimiert wurde – nach einer Antibiotika-Therapie, nach einer schweren Kolik –, ist die Kombination aus beidem die Überlegung wert, und zwar in Absprache mit der Tierärztin.

In beiden Fällen gilt dieselbe Reihenfolge: erst die Grundration, dann die Ergänzung. Ein Präparat, das ein Managementproblem überdecken soll, wirkt genau so lange, wie man es füttert.

Nach einer Antibiotika-Therapie

Antibiotika wirken nicht nur dort, wo sie sollen. Sie greifen auch in die Darmflora ein, und beim Pferd ist das wegen der Größe des Gärraums folgenreicher als bei vielen anderen Tierarten. Typisch sind weicher Kot, Kotwasser und ein Pferd, das schlechter zunimmt, oft erst in den Wochen nach der Behandlung.

Was in dieser Situation trägt, ist unspektakulär: reichlich Raufutter in gleichmäßigen Portionen, keine gleichzeitige Umstellung an anderer Stelle, ausreichend Wasser und Zeit. Ergänzend ist ein präbiotischer Träger, ein zugelassener Bakterienstamm oder die Kombination aus beidem üblich – über 4 bis 8 Wochen und in Absprache mit der behandelnden Tierärztin, die den Behandlungsverlauf kennt.

Drei verbreitete Irrtümer

  • „Probiotika kann man immer geben.“ Sie sind harmlos, aber nicht wirkungsvoll, wenn kein Anlass vorliegt. Ein Pferd mit stabiler Verdauung und guter Raufutterversorgung braucht keinen zugeführten Stamm.
  • „Lebende Hefe ist besser als inaktivierte.“ Beide leisten Unterschiedliches. Lebende Hefe ist ein zootechnischer Zusatzstoff mit eigener Zulassung, inaktivierte Bierhefe ein Futtermittel, das Nährstoffe und Zellwandbestandteile liefert. „Besser“ hängt am Ziel, nicht am Zustand der Hefe.
  • „Wirkt sofort.“ Die Darmflora braucht Wochen, um sich zu sortieren, und der Darminhalt allein braucht rund 2 Tage für die Passage. Wer nach 3 Tagen bewertet, bewertet nichts.

Was ein Präbiotikum nicht leistet

Es ersetzt kein Fütterungsmanagement. Wer weiter abrupt umstellt, große Kraftfuttermengen auf eine Mahlzeit gibt oder Fresspausen von 8 Stunden zulässt, wird das Milieu im Dickdarm auch mit dem besten Präbiotikum nicht stabilisieren. Und es ersetzt keine Diagnose: Bei anhaltendem Kotwasser, Durchfall, Koliksymptomen oder Gewichtsverlust gehört die Ursache abgeklärt.

Kurz zusammengefasst

  • Probiotikum – lebende Mikroorganismen, in der EU je Stamm und Tierart zugelassen, beim Pferd nur ein schmales Feld.
  • Präbiotikum – Nahrung für die vorhandene Flora, beim Pferd in aller Regel der wirksamere Hebel.
  • Am Etikett prüfbar: Stamm, Keimzahl, zugelassene Tierart, Haltbarkeit.
  • Grundlage bleibt das Raufutter. Beide Wege wirken nur, wenn Menge, Qualität und Rhythmus der Grundration stimmen.

Dieser Beitrag ist allgemein gehalten und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

Dieser Beitrag ist allgemein gehalten und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung. Bei anhaltendem Durchfall, Erbrechen, Blut im Kot, Fieber oder Gewichtsverlust gehört die Ursache in jedem Fall abgeklärt.

Vergleich

Woran du ein gutes Probiotikum
für Hunde erkennst

Zum Vergleich
  • DSM 15544Stamm hinterlegt und nachlesbar
  • 4b1820EU-Zulassung ausdrücklich für Hunde
  • 1,5 × 10¹² KBEKeimzahl je Kilogramm deklariert